Corona-Tagebuch 1.3

Und dann vergeht Zeit. Ein ever-präsentes Thema. Hält langsam Einzug. Nichts ist normal und doch irgendwie alles. “Langsam wieder…” . Was ich an dem ganzen mag, an Corona, ist, daß es die Grenzen ein wenig aus ihren Angeln hebelt, die wir sonst so hatten. Die Definitionen. (Fußnote: Nun, keine Definition ohne Grenze und andersherum…). Die Kompassnadel ist ein wenig eine andere geworden. Und das finde ich schön. Mit der neuen Kompass-nadel fällt meine Links-Rechts-Schwäche gar nicht mehr so auf.

Nun ja, aber gleichwohl. Von jeder Kompassnadel wollen wir natürlich trotzdem noch, daß sie irgendwo hin zeigt. Das können wir schwer ertragen, wenn sie sich dreht und dreht. Oder stellen wir uns vor sie würde nach oben zeigen, plötzlich! Oder: nach unten! Nun ja, aber ja, die Nadel schieben wir trotzdem dann schnell irgendwo hin. Auch ich. Ja, ich muss gar nicht so tun. Wer eine Partei wählt, die so viele mir so unheimlich fremde Menschen auch wählen, da muss ich vor’m (richtigen) Zuhören erst mal durch so ein Dickicht an ungeklärter Fragen. Irritation. Holt mich einfach überhaupt nicht ab, diese Partei. Aber nun gut. Ja auch erstmal egal, Partei, Partei, da dreht sich ja nun wirklich nicht alles drum. War ja auch nur ein Beispiel. Corona jedenfalls bringt, finde ich, eine neue Kompassnadel ins Spiel. Wer weiß ob die besser oder schlechter ist, aber es ist einfach erst mal eine andere.

Und dann gehen Menschen zu Demos, wo es mich grad wirklich nicht hinzieht. Aber sie finden dort was. Und diese Menschen sind mir zugewandt. Mindestens. Und ich ihnen. Vielleicht ist es meine Mutter. Oder mein Freund. Pro Corona und gegen Corona. Das ist natürlich irgendwie Schwachsinn. Odernicht? Ja, das ist dann wieder gleich die Kompassnadel irgendwo hin schieben. Das langweilt mich. Ja und es fordert mich natürlich auch heraus, denn auch ich schiebe bisweilen die Kompassnadel allzuschnell in irgend eine Richtung. Aber sie wird eben zur Zeit auf eine schöne Art immer durch verschiedenen Magnetismus gestört.

Und gleichwohl, kommt es aber natürlich zu konkreteren Fragen. Ganz konkreten Fragen. Und ich meine nicht so Fragen wie: setze ich die Maske auf oder nicht, oder wie konsequent. Es gibt noch mehr Fragen: Wie sehr fordere ich die anderen auf, eine Maske zu tragen. Oder auch: Wie fordere ich, wenn ich es tue, die Menschen auf eine Maske zu tragen? Und es ist doch aber auch der Fall, daß diese ganz konkreten Fragen auch wieder zu den großen Fragen führen (dürfen, sollen!?!) Wer ist woran Schuld? Und ist diese Schuld nicht auch irgendwie ein alles-vernichtendes Argument und lenkt es nicht auch ein wenig ab? Oder nicht? Wenn Dir Schuld wichtig ist, dann sag es mir! Und wenn Du Angst hast. Was ist mit der Angst?

Weißt Du. Langsam. Allmählich. Allmählich entsteht in mir eine Meinung. (Aber lasst mir doch ein wenig Zeit noch… lasst uns vielleicht allen überhaupt ein wenig Zeit eine Meinung zu finden und nicht gleich versuchen, selber eine zu haben bevor es sich richtig anfühlt und auch die anderen nicht zu zwingen (m)eine zu haben! …) Gleichwohl. Mehrere Meinungen zu verschiedenen Aspekten entstehen in mir. Únd eine davon merkte ich förmlich entstehen, als eine Kundin zu mir in den Laden kommt, mit Maske auf. Und als sie zu mir an die Kasse kommt, setze auch ich meine Maske auf. Sie sieht mich an, meine Re-Aktion bemerkend, und ich höre mich sagen: Wenn es Ihnen wichtig ist, dann ist es mir das auch. Und da habe ich gedacht, lasst den Menschen ihre Angst. Ich muss sie nicht teilen und nicht mögen. Aber keine Enge dieser Welt lässt sich mit Enge weiten. Und, daneben stehend, ja sich förmlich ineinander verschlingend ergänzend, heißt das auch: verlange nicht von mir eine Sorge zu tragen, die ich nicht greifen kann. Mach mir keinen Vorwurf aus meiner Abwesenheit von Sorge. Und nenn mich wenn Du kannst nicht verantwortungslos, denn auch ich muß im Falle des Falles zur Antwort fähig sein. Auch mein Herz und Kopf wollen eine Antwort wissen wenn ich Corona habe. Oder wenn andere wegen mir Corona haben. Auch ich will das nicht. Und diese Maske tut etwas. Sie tut vieles. Manchmal sogar da mag ich sie. Mag das Mich-einkuscheln und -verstecken in meinem Tuch, mag meine eigene Wärme zu spüren und sonst keine. Und an anderen Tagen da bremst sie mich. Nimmt mir die Freude am Atmen. Am Lächeln. Lässt mich mich eigenartig fühlen. Ich wasche mir die Hände übrigens. Mehr als zuvor. Terry Prettchat hat gesagt, Hexen haben immer saubere Hände. Hände waschen ist gut. Muss ja nicht manisch werden. Aber fließend Wasser ist gut. Nun und wenn Du eine Maske tragen willst, und wenn Du willst, daß ich eine trage, dann setze ich sie auf für den Zeitraum, in dem wir hier und an diesem Ort einfach gut miteinander sein wollen, gerne auf.

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